Die Zukunft der Printmedien

24. Oktober 2008 von Jan · 18 Kommentare
Kategorie: Allgemein, Bemerkenswert 

Feeds sind inzwischen auf allen Internetpräsenzen von Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sendern wichtiger Bestandteil der Kundenbindung. Bei Blogbetreibern gehört es zum Standard, den Artikel vollständig per Feed verfügbar zu machen. Kommerzielle Seiten zeigen dagegen maximal einen Kurztext um Seitenbesuche zu generieren. Aber häufiger wird nur die Überschrift angezeigt.

Es ist nun etwa ein Jahr her, dass ich mich das erste Mal mit Feedreadern intensiv befasst habe. Zum Beispiel ganz einfach mit Outlook oder im Browser. Hintergrund war, dass mir das alles viel zu unübersichtlich wurde. Neue Berichte und Artikel auf den Webseiten von bereits gelesenen zu trennen. So schiebt zum Beispiel N-TV Meldungen auf der Seite rum. Einige werden sicher schon viel länger RSS-Feeds lesen, aber ich konnte mich nie so recht damit anfreunden – jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt.

Online Reader

Schnell nervt es aber, wenn man an unterschiedlichen Rechnern und sogar Systemen arbeitet, die RSS-Feeds ständig überall anzupassen. Irgendwie waren sie nie gleich. Also habe ich mir die im Web verfügbaren Systeme angesehen: Bloglines , NewsAlloy oder der NewsGator. Da ich aber schon einen Google Account hatte, bin ich beim Google-Reader gelandet. Obwohl ich Bloglines durchaus in Erwägung gezogen habe. Allerdings soll dieser in der jüngsten Vergangenheit nicht sehr zuverlässig gewesen sein.

Schnell sammelten sich dann reichlich RSS-Feeds an und mein Wunsch überall alles immer gleich zu haben war erfüllt. Auch war gelesen wirklich gelesen und tauchte nicht auf dem Notebook nochmal als neu auf. Kategorisieren war schnell angesagt. Inzwischen habe ich soviele Feeds, dass es nicht mehr möglich ist mit dem Lesen fertig zu werden, da ständig irgendwo etwas Neues berichtet wird. Aber das kennt ihr sicherlich.

Printmedien vs. RSS-Feeds

Was ich mich aber seit einiger Zeit Frage: “Lohnt es sich überhaupt noch eine Tageszeitung oder Zeitschrift zu lesen?“ Die Tageszeitung blättere ich nur noch durch, weil alles schon am Vortag per Feed gelesen wurde. Selbst die Wochenmagazine sind weitestgehend bekannt, auch wenn da ein Thema ganzheitlich aufgearbeitet und mit Zusatzinformation ergänzt wird.

Und auch Fachmagazine stellen sich in Frage. Zwar nicht unbedingt durch Feeds, aber durch das Internet selbst. Denn will man zu einem Thema mehr wissen, befragt man einfach die Suchmaschine und wird schnell fündig. Man wird damit nur gezielt auf ein Thema gebracht, was aber in aller Regel auch schon irgendwo im Monat davor Thema in der Tagespresse war.

Wer nun das Argument vorbringt, seine Zeitung in der Bahn, im Garten und am Strand lesen zu wollen, muss auch einsehen, dass im Zeitalter der mobilen Kommunikation auch das kein wirkliches mehr ist. Zwar lassen die Geräte noch Wünsche offen, und auch die Mobilfunktarife lassen noch viel Raum nach unten, aber möglich ist es.

Darum würde ich gerne einmal die Frage stellen: Sind Printmedien bald oder jetzt schon überflüssig?


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Kommentare

18 Kommentarezu“ Die Zukunft der Printmedien”
  1. Die Frage ist so alt, wie die 9-Nadel-Drucker ;-) . Nein, nichts wird mir meine Zeitung morgens ersetzen können und ein gutes Buch zwischendurch abends. Ich will mein haptisches Erlebnis haben und kann mir nur schwer vorstellen gewisse Orte mit einem Laptop aufzusuchen ;-) .

    Auch draussen am Strand, im Park usw. Versagt die Technik komplett.

  2. ymo sagt:

    Ich nutze schon mehrere Jahre Feedreader und bin aus den gleichen Gründen wie du voll begeistert davon. Allerdings muss ich sagen, es gibt Orte, wo ich lieber Papier in der Hand habe. So macht es mir z.B. keinen Spass, mit einem elektronischem Gerät am Frühstückstisch zu sitzen.
    Ich denke Printmedien wird es noch lange geben. Frag doch mal in deinem Bekanntenkreis ausserhalb der Internet-Szene (falls noch vorhanden ;-) wer weiss was ein RSS-Feed ist. Du wirst feststellen, dass dies nicht sehr viele sind.

  3. René sagt:

    Das Wort “überflüssig” passt meiner Meinung nach nicht wirklich. Dass die Zeitungen in Zukunft noch weniger im Mittelpunkt der Informationsbeschaffung stehen, ist eigentlich aber doch schon gar keine Frage mehr, oder?
    Das Internet, böse wie es doch ist ;) , nimmt den Platz immer mehr für sich ein, da es mindestens genau so viel, wenn nicht meistens sogar mehr bietet als so ein paar statische Wörter auf flachen Papierseiten. Und wenn die Medienmacher es verstehen, werden sie das schon hinbekommen und die Medien in Zukunft noch besser ans Internet angepasst gestalten (damit meine ich nicht zwingend den Inhalt), wodurch der Zeitung als solche schon viele Argumente verloren gehen, weswegen sie gekauft werden soll.

    Das ist aber doch nicht negativ oder? Immerhin haben die geliebten gedruckten Wörter auch Radio und TV überlebt.

  4. Andreas Nink sagt:

    Die Frage stellt sich nicht – noch nicht. Printmedien bieten – noch – deutliche Vorteile gegenüber digitalen Medien. Jedoch perspektivisch betrachtet ist doch festzustellen, dass es eine Alternative zu Buch, Zeitschrift und Zeitung gibt. Wenn die Zeit reif ist, werden nur noch Nostalgiker dem gedruckten Buch nachtrauern. Bis dahin wird es ein zunehmendes Nebeneinander von Print und digitalen Lesegeräten geben. Und eine zunehmende Diskussion, bei der auch immer wieder mal der Untergang des Abendlandes beschwört werden wird. Das wird nichts an der Entwicklung ändern.

  5. Ich würde Marginalisieren statt Ersetzen nehmen. Auch ich schätze die Haptik und die Ergonimie einer Zeitung. Ich habe das aber auch gelernt. Ich kann eine Zeitung in 10 Minuten lesen und habe dann mehr relevantes (und auch unterhaltsames, denn ich lese die SZ) aufgenommen als wenn ich die Tagesthemen + das Heute Journal angeschaut habe.
    Nur: Die Zeitung ist Luxus und sie wird es in Zeiten teuerer Rohstoffe und sinkender Auflagenzahlen noch mehr werden. Bis zu dem Punkt, an dem der letzte Zeitungslesenkönner und Langfrühstücker weggestorben ist oder es sich nicht mehr leisten kann.

  6. hk sagt:

    Klar habe ich mich auch mit dieser Frage befasst, bin aber zumindest bei einem Teilaspekt sehr schnell zu einer Antwort gekommen: Da meine Frau sehr wenig mit Begriffen wie RSS und Feedreader anfangen kann, stellt sich die Frage, die Zeitung abzubestellen, derzeit nicht, zumal es mir fern liegt, mein Umfeld zu “missionieren”.

    Natürlich heißt das nicht, dass ich selbst auch in besagter Zeitung lesen muss. Tu ich aber. Den Grund dafür kann ich gar nicht so genau benennen. Ich denke jedoch, dass die regionale Komponente nicht zu unterschätzen ist. Dies betrifft in erster Linie die Lokal-, Regional- und Landespolitik bzw. die regionale Wirtschaft, aber auch ganz simple Veranstaltungshinweise (die ich natürlich auch online bekomme, aber so richtig viel Spaß machen mir derlei Angebote ebenso wenig wie bspw. die mir bekannten Online-TV-Programm-Übersichten).

    Dass ich vieles schnell überblättere, weil ich es bereits tags zuvor ausführlich und unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten in meinen Feeds gelesen habe, versteht sich allerdings von selbst.

    Während ich mir einen Verzicht auf Zeitungen und Magazine grundsätzlich aber vorstellen kann, bin ich bei Büchern noch(?) nicht so weit. Kann gut sein, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird, aber im Moment fällt mir diese Vorstellung noch schwer.

  7. ullmic6 sagt:

    Tageszeitungen sind für mich noch nicht überflüssig, da ich für meine Stadt noch keine qualitativ gleichwertigen Feeds gefunden habe. Sobald sich dieses ändert könnte ich auf die Tageszeitung verzichten.

  8. Ich bin ein eingefleischter Web 2.0-Fan und nutze die meisten neuen Technologien freudig. So auch Feedreader (ich nutze Bloglines und den Google-Reader). Und ja, wenn es den Kindle in Deutschland gibt, will ich einen haben.
    ABER: Deswegen will ich noch lange nicht auf meine Tageszeitung, mein Magazin und schon überhaupt nicht auf meine heiß geliebten Bücher verzichten müssen.
    Ich denke, diese Diskussion wird ähnlich ausgehen, wie die um das papierlose Büro. Es wurde viel, lange und ausführlich darüber geredet und wenn ich mich heute umsehe, gibt es in den Büros mehr Papier als je zuvor.
    Es spricht nichts dagegen beides zu nutzen – neue Technologien, wo es sinnvoll ist, und Lesestoff in seiner herkömmlichen Form.

  9. Jan sagt:

    Ui! Danke!

    Die Frage ist sicher nicht neu und auch etwas überzogen formuliert, aber berechtigt finde ich sie schon. Die Reader und das Angebot werden ständig größer und besser. Städte mögen eine Ausnahme sein, aber es gibt z.B. stadteilbezogene RSS-Feeds für Hamburg

    Die E-Book Reader sind ja da auch so ein Thema. Schön, dass es hier von dir angesprochen wird, Kirsten. Die waren ja auf der Buchmesse gerade Thema. Aber das muss ich gestehen kann ich mir noch gar nicht vorstellen. Weil so ein Buch ja irgendwo was „Gemütliches“ ist. Das Lesen würde ich da mit einem PDF-Buch vergleichen, oder? Hab so ein Gerät noch nicht in der Hand gehabt.

  10. Thorsten S. sagt:

    Hallo Jan,

    ich kann mich ungefähr Norbert und ymo anschließen. Da ich schon recht lange vor einem PC sitze möchte ich das Ein oder Andere auch als Buch oder Magazin lesen. Das Tagesgeschehen bekomme ich über Twitter mit (Tagesschau). Auf iGoogle habe ich noch zwei/drei Sachen als Startseite liegen und ansonsten nutze ich Bloglines für mich relevante Fachthemen. Mich interessiert allerdings das neu erschienene E-Book, welches auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde. Könnte ggf. eine Alternative werden.
    Gruß

    ThS

  11. Thorsten S. sagt:

    Ups, ich hatte diese Seite eine Zeit lang offen und sehe nun gerade die ganzen Kommentare, na dann ist ja alles gesagt. ;-)

  12. Jan sagt:

    Danke Thorsten. Das E-Book (den kindle oder den Sony) werden wir uns auf jedenfall auch ansehen. habe hier einige Leseratten um mich rum.

  13. Sven sagt:

    Hi Ho,

    ich könnte auch nie auf ein gedrucktes Buch verzichten. Mit E-Books kann ich mich nicht anfreunden und was ist, wenn denen der Saft ausgeht? Dann muss ich mit dem lesen solange warten, bis ich es wieder aufladen kann, dass passiert mir bei einen gedruckten Buch nicht. Auch nicht bei einer gedruckten Zeitung oder einen anderen gedruckten Medium.

    viele grüße

    sven

  14. drsteino sagt:

    Ich nutze schon sehr lange RSS Feeds, unterwegs die iPhone Version von NetNewsWire, zuhause die Desktop App. Über meinen NewsGator Account synchronisieren sich die beiden (wenn auch nicht 100% korrekt).

  15. Jan sagt:

    Hallo!
    @Sven: Stimmt wohl. Strom ist die Basis. gar kein so unwichtiges Argument im digitalen Zeitalter.

    @DrSteino: nutzt du denn gar keine Printmedien mehr?

    @all: bin mir nicht sicher, ob der Heise Verlag das hier gelesen hat. Jedenfalls war meine c’t heute nicht in der Post! ;-)

  16. drsteino sagt:

    @Jan

    Nicht mehr ist gut, eigentlich habe ich noch nie wirklich Printmedien genutzt, zumindest keine Tageszeitungen etc. Hier und da kauf ich mir vielleicht mal ein Technik-Magazin. Aber in einer Tageszeitung finde ich ja eh nichts, was ich nicht schon vorher von Webseiten, Blogs oder den täglichen TV-Nachrichtensendungen wusste.

  17. Jan sagt:

    Dann scheinst du ja schon ein echter “Digitalist” zu sein ;-)

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  1. [...] Und auch die technikaffine Leserschaft interessiert es: Heute nachmittag kam Jan Penz z.B. urplötzlich auch auf dieses Thema (und erbat per twitter Kommentare, wozu ich hiermit beisteuere). Lesen wir zuerst einmal, was uns [...]



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